Condensing Hive & Varroa-Effekt
Eben bin ich auf das Thema „Condensing Hive“ gestoßen – ein Konzept, das in der nordamerikanischen Imkerei gerade für Furore sorgt. Vielleicht war es ja ein glücklicher Zufall, der mich bei der Planung meiner modifizierten Layensbeute vielleicht zur biologisch und physikalisch richtigen Beute geführt hat. Vieles von dem, was ich intuitiv und aus handwerklicher Überzeugung in mein System eingebaut habe – die massive 42-mm-Sandwich-Isolierung, die geschlossenen Oberträger und das hygroskopische Schilfschied, finden sich in den physikalischen Modellen der „Condensing Hive“ wieder.
Zugegeben: Den speziellen Effekt von konzentriertem CO2 auf die Varroamilbe hatte ich bei meinen Planungen noch gar nicht bedacht. Dass eine nach oben hin hermetisch abgedichtete Beute nicht nur die Wärme hält, sondern durch die entstehende CO2-Glocke auch den Stoffwechsel der Bienen schont und gleichzeitig den Milbendruck senken könnte, ist eine faszinierende neue Perspektive in der Entwicklug einer Strategie gegen den Varroabefall.
Der Hypoxie-Effekt: Winterschlaf auf Sparflamme
In einer nach oben hin hermetisch dichten Beute entsteht ein Zustand der Hypoxie – ein kontrollierter Sauerstoffmangel bei gleichzeitigem Anstieg des Kohlenstoffdioxids (CO2). CO2 ist schwerer als Luft und bildet unter den propolisierten Oberträgern eine schützende Glocke. In dieser Atmosphäre fährt das Volk seinen Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. Die Bienen verfallen in eine Art tiefen Energiesparmodus: Die Herzfrequenz sinkt, der Atemrhythmus verlangsamt sich und der Futterverbrauch sinkt drastisch.
Der „CO2-Hammer“ gegen die Varroa
Ein Punkt, den ich anfangs eher als Randnotiz wahrgenommen habe, der aber in der Forschung zur Condensing Hive immer wieder auftaucht, ist die toxische Wirkung hoher CO2-Konzentrationen auf die Varroamilbe. Während wir Imker jahrzehntelang versucht haben, die Beute durch Gitterböden und Oberbelüftung „atmen“ zu lassen, haben wir damit unwissentlich der Milbe einen Gefallen getan.
Die Theorie dahinter ist so simpel wie genial: Bienen haben eine wesentlich höhere Toleranz gegenüber Kohlenstoffdioxid als ihre Parasiten. In einer hermetisch nach oben abgedichteten Beute, wie ich sie durch die propolisierten Oberträger und den isolierten Deckel realisiere, steigt der CO2-Gehalt im Winter massiv an.
Das Experiment: Schilf gegen Kunststoff
Ich fahre diesen Winter eine zweigleisige Strategie beim Feuchtigkeitsmanagement:
1. Das Styrodur-Schied: Maximale Dämmung, dampfdicht. Die Feuchtigkeit muss an den Wänden kondensieren.
2. Das Schilfschied: 5 cm dick, senkrechte Halme. Es soll wie ein Docht wirken und Feuchtigkeit kapillar abführen.
Noch herrscht hinter den massiven Wänden absolute Stille – ein Zeichen der perfekten Schalldämmung. Die Auswinterung bleibt spannend. Wird das Volk im Schilf-System trockener sitzen? Wird die CO2-Glocke den Futterverbrauch weiter senken? Im Frühjahr wird die Natur die Antwort geben.
Wer nach mehr Information zum Thema sucht:
Derek Mitchell (Physik des Bienenstocks): Mitchell ist einer der führenden Köpfe, wenn es um die thermodynamische Analyse von Bienenbeuten im Vergleich zu natürlichen Baumhöhlen geht. Seine Arbeit zeigt auf, dass herkömmliche Beuten oft einen bis zu zehnmal höheren Wärmeverlust haben als natürliche Behausungen.
Online-Quelle: Honeybee cluster—not insulation but stressful heat sink
Etienne Tardif (Winterbiologie & Thermodynamik): Tardif hat umfangreiche Feldstudien im Yukon (Kanada) durchgeführt und dokumentiert, wie hochisolierte Beuten (Condensing Hives) den Futterverbrauch drastisch senken und die Winterüberlebensrate steigern. Er hat dazu zahlreiche Präsentationen und Daten online veröffentlicht.
Online-Quelle: The Condensing Hive – Winter Biology and Thermodynamics (Video-Präsentation). https://www.youtube.com/watch?v=gNY-P5lFIOc



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