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Traditionelle Bienenbeuten in Kamakuywa

Traditionelle Bienenbeuten in Kamakuywa

Zum Bild: Bei meiner Lieblingsbeschäftigung: Den Bienen und der Imkerei. Eine größere Freude konnte man mir bei meinem Besuch in Kamakuywa / Bungoma County Kenia nicht machen.

Ich wurde zur Besichtigung eines Bienenstandes eingeladen, an dem ein kenianischer Imkerkollege mit traditionellen Korbbeuten imkert, die seit Jahrhunderten die Imkerei in Kenia bestimmt haben.

Die traditionelle Imkerei mittels geflochtener Körbe oder Behältnisse ist eine weltweit verbreitete, uralte Praxis. Ob in den ländlichen Gebieten Westkenias oder in den historischen Heidelandschaften Norddeutschlands, die Korbbeute repräsentiert eine der frühesten Formen der Bienenhaltung. Trotz der enormen geografischen und klimatischen Distanz weisen diese Praktiken faszinierende Parallelen in Bauweise und Betriebsweise auf. Die Unterschiede hingegen sind ein direktes Zeugnis der evolutionären Anpassung an die jeweiligen ökologischen Herausforderungen.

Die wichtigste Parallele liegt in der Bauweise ohne Rahmen. Sowohl die geflochtene Korbbeute Kenias als auch der westeuropäische Strohkorb (Stülper) sind Behausungen mit festen Wänden, in denen die Bienen ihre Waben frei an die Innenseite bauen. Dieses Fehlen von beweglichen Rähmchen diktiert eine destruktive Betriebsweise.

Die Ernte ist in beiden Fällen zwangsläufig invasiv: Um an den Honig zu gelangen, müssen die Imker einen Großteil des Wabenwerks herausschneiden. Dies führt unweigerlich zur Zerstörung von Brut, Pollen und Wachs. Das resultierende Produkt – der Honig – muss durch Pressen oder Abtropfen (wie z.B. der berühmte Heide-Presshonig) gewonnen werden.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Abhängigkeit vom Naturschwarm. Die Vermehrung der Völker geschieht nicht durch künstliche Teilung, sondern durch das natürliche Schwärmen. Die Imker waren und sind darauf angewiesen, diese Schwärme entweder aktiv einzufangen oder durch vorbereitete, mit Lockstoffen eingeriebene Körbe anzulocken.

Die tiefgreifenden Unterschiede in der Korbimkerei lassen sich primär auf zwei Faktoren zurückführen: Klima und Bienenart.

In Westeuropa stand die Isolation vor der Kälte im Vordergrund. Der hierfür genutzte Werkstoff, dicht geflochtene Wülste von Roggenstroh, ist ein ausgezeichneter Dämmstoff, der die Bienenvölker vor Frost und Nässe schützt. Der europäische Imker musste seine Körbe am Boden aufstellen, sie aber gleichzeitig vor Feuchtigkeit schützen. Aber auch hier ist die äußere Schicht ähnlich der der Korbbeute.

In Kenia hingegen muss die Beute vor der Hitze und der direkten Sonneneinstrahlung geschützt werden. Die geflochtenen Korbbeuten werden daher häufig mit einer dicken Schicht aus Lehm, Kuhdung und Asche verputzt. Dieser Verputz dient hier als thermische Masse zur Kühlung und Abdunkelung des Inneren. Darüber hinaus werden die Beuten oft hoch in Bäumen aufgehängt. Dies schützt nicht nur vor der größten Hitze am Boden, sondern auch vor Fressfeinden wie dem Honigdachs und Termiten. Die Biene selbst, die afrikanische Honigbiene (Apis mellifera scutellata), ist zudem aggressiver und neigt schneller zum Verlassen des Nestes (Abschwärmen) bei Störung, was die Ernte zusätzlich erschwert.

Die Korbimkerei ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie kulturelle Praktiken globale Parallelen aufweisen können, wenn sie auf denselben technologischen Beschränkungen (keine Rahmen) beruhen. Die daraus resultierende destruktive Erntemethode und die Abhängigkeit vom Schwarmtrieb hat sich dann seit der Entwicklung der Magazinbeute grundlegend verändert.

Gleichzeitig demonstrieren die unterschiedlichen Materialien (Stroh vs. Lehm-verputztes Flechtwerk) und die Platzierung der Beuten (Boden vs. Baum) eine geniale, pragmatische Anpassung an die jeweiligen Überlebensbedingungen.

In der modernen Imkerei ist die Korbbeute in Westeuropa fast vollständig durch die effizientere Magazinbeute verdrängt worden. In Kenia wird die Korbbeute zunehmend durch die Kenyan Top-Bar-Hive (KTBH) ersetzt, die eine naturnahe, aber nicht-destruktive Imkerei ermöglicht und somit die Brücke zwischen alter Tradition und moderner Nachhaltigkeit schlägt.

Es hat 15 Jahre gedauert, bis ich mich von der Imkerei mit Magazinbeuten verabschiedet habe. Ich habe mich bewusst für alternative Beutenformen entschieden. Nach Erfahrungen mit der kenianischen Oberträgerbeute bin ich bei der Layensbeute angekommen. Ich möchte zeigen, wie man bei der Layensbeute mit minimalen Eingriffen erfolgreich und entspannt imkern kann.