Ausgerechnet Bananen!
In der klassischen Imkerei gilt die eiserne Regel: „Trinke keinen Alkohol, sondere möglichst keine unangenehmen Körpergerüche ab und iss niemals eine Banane, bevor du an die Bienen gehst!“ Doch jetzt lerne ich, dass zumindest der Geruch nach Banane differenziert betrachtet werden muss. Afrikanische Bienen lieben Bananen – besonders dann, wenn sie jene braunen Flecken auf der Schale zeigen, die ihre volle Fruchtreife ankündigen. Diese Beobachtung stellt unser europäisches Imker-Dogma komplett auf den Kopf. Während wir die Banane als Aggressions-Trigger fürchten, scheint sie für Bienen in anderen Teilen der Welt ein hochwillkommenes „Superfood“ zu sein. Ist es an der Zeit, ein weiteres Imkerdogma in Frage zu stellen?
Die Angst des Imkers vor der Banane rührt vom Haupt-Alarmpheromon der Honigbiene her: Isopentylacetat (IPA). Die bahnbrechende Studie von Boch et al. (1962) identifizierte IPA als die flüchtige Komponente im Stachelapparat, die chemisch fast identisch mit dem Bananenaroma ist.
Doch die Forschung differenziert: IPA ist primär ein Rekrutierungssignal – ein laut duftendes „Achtung!“, vergleichbar dem Ruf, der Soldaten auf dem Kasernenhof gebietet, die Hacken zusammenzuknallen und sofort in Hab-Acht-Stellung zu gehen. Die Wissenschaft belegt: Die tatsächliche, aggressive Attacke wird erst durch einen komplexen Cocktail aus über 40 weiteren Stoffen ausgelöst, die erst beim Stich frei werden. In der Ruhe der Layensbeute wirkt die Banane daher eher als sanfter biologischer Weckruf ohne echten Verteidigungsstress.
Und nachdem ich mich mit dem Thema Bienen und Bananen auseinandergesetzt habe, werde ich das einmal mit meinen Bienen ausprobieren. Obwohl ich auf eigenem Honig überwintere, bietet die Banane im Frühjahr einen Mehrwert, den weder Honig noch klassischer Futterteig leisten können:
Der Kalium-Sieg: Honig ist Energie, aber Bananen liefern fast das Achtfache an Kalium (ca. 358 mg/100g). Dies ist der essenzielle „Zündstoff“ für die Muskelarbeit zur Nestwärmeerzeugung.
Bionische Feuchtigkeit: Klassischer Futterteig ist mit ca. 10 % Wassergehalt hygroskopisch und entzieht dem Volk Feuchtigkeit. Die Banane besteht zu 75 % aus Wasser. Sie liefert Energie, ohne Durst zu verursachen – ein Segen, wenn es für Wasserholflüge noch zu kalt ist.
Vitamine für die Ammen: Bananen sind reich an Vitamin B6, das für den Proteinstoffwechsel der Ammenbienen bei der Futtersaftproduktion entscheidend ist (Haydak, 1970).
Während Bienen bei kristallisiertem Wintervorrat auf externe Wasserquellen angewiesen sind, bietet die Banane eine bionische Komplettlösung: Sie liefert Energie, Mineralstoffe und die benötigte Feuchtigkeit in einem Paket. Das entlastet den Wasserhaushalt des Volkes in einer Phase, in der jeder Ausflug zur Tränke bei instabilem Frühlingswetter ein tödliches Risiko darstellen kann.
Inspiration aus Afrika und Praxis
In Afrika gehört die Bananenfütterung zum Standard. Akinwande et al. (2009) belegten dort, dass Bananen die Brutfläche signifikant vergrößern und den Honigertrag um bis zu 20 % steigern können. In meinem System mit hohem Boden biete ich die Banane (strikt Bio-Qualität wegen der Schalenverwertung) von unten an. So bleibt die propolisierte Decke und die wertvolle CO2-Glocke (Mitchell, 2023) unangetastet.
Es war schon immer ein Imkeranliegen, es den anvertrauten Immen so angenehm wie möglich zu machen und ihr Gedeihen und Wohlergehen zu fördern, wo es geht. Und da passen die isolierte Layensbeute und ein paar leckere Bananenschnittchen als Frühjahrs-Booster perfekt zusammen. Natürlich pestizidfrei, in bester Bio-Qualität, versteht sich.
Quellen:,
• Boch et al. (1962): Identification of iso-amyl acetate as an active component in the sting pheromone. Online verfügbar via Nature
• Akinwande et al. (2009): Effects of supplementary feeding on honeybee colony population and honey yield. Online verfügbar via ResearchGate
• Mitchell, D. (2023): Honeybee cluster – not insulation but stressful heat loss. Online verfügbar via Royal Society Interface
• Haydak, M. H. (1970): Honey bee nutrition. Online verfügbar via Annual Reviews



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