Zehrweg in der Layensbeute
Bei meiner ersten Inspektion der Völker am Standort „Am Königsberg“ ist mir aufgefallen, dass die Völker, (besonders ausgeprägt bei meinem Volk3) einen „interessanten“ Futterzehrweg zeigen. Die Futterwaben sind nur an der rechten Beutenwand leergefressen, während die Futtervorräte auf der linken Beutenwand noch sozusagen unverbraucht sind. Bei meinen Recherchen bin ich auf eine Erklärung gestoßen, die dafür die Aufstellung der Beuten als Erklärung liefert. Das einseitige Zehren ist demnach im Layens-System nicht ungewöhnlich. Oft wandert die Traube entlang der warmen Seite oder beginnt dort, wo die letzte Herbstsonne die Wand erwärmt hat. Solange die linke Seite voll ist, besteht kein Risiko des Futterabrisses. Meine Beobachtung deckt sich mit auch von anderen Imkern gemachten Erfahrungen, die mit diesem Beutentyp gearbeitet haben.
1. Georges de Layens: „L’apiculture pour tous“ (1897)
Der Erfinder des Systems, Georges de Layens, beschrieb in seinem Hauptwerk (und im späteren Cours complet d’apiculture), dass die Stärke seines Systems in der Autonomie des Volks liegt.
- Kernargument: Da die Rähmchen so hoch sind , lagert das Futter direkt über dem Kopf der Bienen.
- Die Wanderung: Layens beobachtete, dass die Bienen in seinen Einraumbeuten (Horizontalbeuten) den Winter meist an einer Wand beginnen und sich dann wie eine „langsame Walze“ horizontal durch die Beute fressen. Ein „einseitiges Zehren“ ist in diesem System also der Normalzustand, nicht die Ausnahme.
2. Dr. Leo Sharashkin: „Keeping Bees with a Smile“
Dr. Leo Sharashkin ist der aktuell bekannteste Experte für das Layens-System im englischsprachigen Raum. Er vertieft die thermischen Aspekte:
- Wärmewand-Effekt: Er belegt, dass die Bienen in Horizontalbeuten oft die Seite wählen, die am besten isoliert ist oder die meiste Restwärme (Sonneneinstrahlung auf die Beutenwand) speichert.
- Futterabriss-Schutz: Er führt aus, dass bei Layens-Rähmchen das Risiko eines Futterabrisses minimal ist, solange die Traube Kontakt zu einer Seite mit Futterwaben hat. Die Bienen müssen keine „Gassen“ wechseln oder über kalte Holzteile (wie bei Magazinen mit mehreren Zargen) klettern, um an Vorräte zu kommen.
3. Fedor Lazutin (Praktische Anwendung in kalten Klimaten)
- Werk: Keeping Bees in Horizontal Hives: A Guide to Natural Beekeeping.
- Kerninhalt: Lazutin untersuchte das Überleben von Völkern in extremen Wintern. Er belegt, dass der Futterabriss (das Verhungern bei vollen Waben) im Layens-System fast ausgeschlossen ist, weil die Traube aufgrund der Wabenhöhe immer Kontakt zum Futter hält, während sie seitlich wandert.
4. Biologische Thermodynamik (The Apiarist / Honey Bee Suite)
Moderne Untersuchungen zur Thermoregulation im Winter bestätigen:
- Die Wintertraube ist kein statisches Gebilde. Sie reagiert auf kleinste Temperaturunterschiede innerhalb der Beute.
- Die Information, dass die Traube entlang der „warmen Seite“ wandert, stammt aus Studien zur Infrarot-Thermografie an Bienenstöcken. Bienen orientieren sich innerhalb der Beute an thermischen Gradienten – sie suchen die stabilste Wärmequelle, was oft die sonnenbeschienene oder besser gedämmte Wand ist.
Zusammenfassung
Alle genannten Autoren betonen, dass das Layens-System darauf ausgelegt ist, die horizontale Bewegung der Bienen zu unterstützen. Das „einseitige Zehren“, die ich bei Volk 3 besonders als auffällig beobachte, ist also das Lehrbuchbeispiel für eine korrekte Überwinterung in dieser Beutenform. Solange auf der linken Seite noch volle Waben sind, besteht für die Bienen eine direkte Verbindung zum Vorrat, ohne dass sie die Wabengassen wechseln müssen.
Dass die linke Seite noch voll ist, ist also mein Sicherheitspuffer. In der Layens-Betriebsweise gilt: Solange die Traube eine „Wand aus Futter“ vor sich hat, ist die Welt in Ordnung. Ein Eingreifen (Umhängen von Waben) ist bei diesen Temperaturen meist kontraproduktiv, da es den thermischen Haushalt stört. Es ist also nicht allein die Wabenhöhe (Futter über dem Kopf) der in der Layensbeute einen Futterabriss nicht wahrscheinlich macht.
P.S.: Zum Foto: Die Herbstsonne erwärmt die rechte Seite meiner Beuten stärker, ergo nehmen die Bienen auch hier ihren Wintersitz ein.



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